Über Energie, Umwelt und Kultur

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Erneuerbare Energieträger - falsche Religion

kristall | 28 März, 2008 00:02

Erneuerbare Energien
Neues Zeitalter
Solare Revolution
Neue Technologien
die Menschheit bricht auf...

Solche Parolen regieren die Pressekonferenzen und Zeitungen, seit der Ölpreis eine Jahrhunderthürde nach der anderen nimmt. Mit religiösem Eifer werden neue Technologien angepriesen, die uns „aus der Energiekrise“ führen sollen. Dabei muss alles sehr schnell gehen, das Thema gewinnt mehr und mehr Aufmerksamkeit und rückt in den Fokus einer immer breiteren Gesellschaftsschicht. Die Lösungsvorschläge, die fast ausschließlich auf dem Einsatz immer neuer Technik beruhen, verschärfen eine schwierige Situation jedoch nur noch weiter.

Wer wissen will, wie die Zukunft aussieht, der kann bei Chevrons „will-you-join-us“-Initiative Energyville spielen und sich die Städte der Zukunft anschauen. Gläserne Paläste schießen in den Himmel, modernste Automobile surren durch die Straßen, das alles untermalt von Vogelgezwitscher. Betrieben wird diese Fantasie natürlich von Wasser, Wind und, klar, der Sonne via Hochtechnologie. Ohne schmutzige Kohle, Öl und Erdgas soll eine neue Welt entstehen, in der modernste Technik mit idyllischer Natur Seite an Seite zusammenlebt. Solche Utopien sah ich schon als Kind, bei Cap'tain Future. Dort kämpfte sich der Held eben noch durch einen unwegsamen Dschungel und stand plötzlich vor futuristischen Stahlpalästen. Drinnen empfingen ihn dann modernste Rechnerwelten. Dies sind aber Geschichten für Kinder. Solche Utopien sind nichts, auf das man vertrauen sollte, wenn man ein ernstes Problem hat, oder glaubt, eines zu haben.

Die industrielle Gesellschaft plagt zur Zeit mehr und mehr ein Energiemangel, der von der Endlichkeit fossiler Energieträger herrührt. Gemäß geologischen Naturgesetzen folgt die Ausbeutung nichterneuerbarer Bodenschätze einer Glockenkurve, die ihr Maximum erreicht, wenn etwa die Hälfte der vorhandenen Reserven gefördert wurde. Der Mensch fing etwa mit der Einführung der Dampfmaschine im Jahr 1712 an, in großem Maßstab fossile Energie zu nutzen. Seitdem macht jede Generation erneut die Erfahrung, dass man einfach mehr Kohle, Öl und Erdgas fördern muss, um eine beständig wachsende Wirtschaft zu befeuern.

Zu Beginn war es ganz einfach, beständig hohes Wachstum zu erzeugen: Der Lebensstandard, gemessen am Energieverbrauch, war gering und neue Energieträger wurden reichlich entdeckt. In der fatalen Annahme, dass sich diese Entwicklung unendlich fortsetzen ließe, wurden in den so entstandenen Industriegesellschaften sämtliche kulturellen Grenzen als überkommen abgeschafft. Während die Priester früherer Zeiten Enthaltung predigten, predigen moderne Wirtschaftsweisen Wachstum. Den Gürtel enger schnallen bedeutet in heutigen Tagen nicht mehr, kulturellen Regeln zu genügen, sondern wird als das Ergebnis fehlerhafter Politik interpretiert. Alles soll möglich sein, wenn man nur will. Der Einfluss fossiler Energieträger auf unsere gesellschaftlichen Errungenscahften wird allerdings ebenso maßlos unterschätzt, wie der Einfluss unseres menschlichen Erfindugsgeistes überschätzt wird. Dieser Glaube hat dazu geführt, dass der moderne Mensch für jedes Problem eine technische Lösung sucht - für die er dann weitere Forschungsgelder erntet.

Mit dem Erdölfördermaximum erreicht nun der wichtigste Energieträger den Gipfel seiner Glockenkurve und prompt reagieren die Eliten reflexartig, indem sie Lösungen dort suchen, wo keine sind. Mit Hochdruck sollen nun neue Techniken die Rolle übernehmen, die die letzten 250 Jahre fossile Energieträger inne hatten. Wer einmal an Universitäten forscht, wird vermutlich ernüchtert feststellen, dass viel von den vermeintlich gemachten Fortschritten aus Werbung besteht, um an weitere Forschungsgelder zu gelangen. Unsere technischen Universitäten sind längst nicht mehr von Philosophen bevölkert, sondern von Verkäufern und Marketing-Experten. Der Förderrückgang fossiler Energieträger stellt den Menschen vor die Herausforderung, sich selbst einzustehen, dass er nicht allmächtig ist und sich auch nicht am eigenen Schopf aus dem Schlamassel ziehen kann, wie der Baron von Münchhausen. Dieses Eingeständnis ist jedoch äußerst unpopulär, Geistliche Kirchenoberhäupter und Intellektuelle, die Genügsamkeit und Grenzen fordern, gelten als reaktionär, rückwärtsgewandt und technikfeindlich.

Hinter dieser vermeintlich einfachen Lösung, fossile Energieträger durch erneuerbare Energieträger auszutauschen, steckt jedoch ein Paradox, dass den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft entweder nicht bewusst ist, oder das bewusst verschwiegen wird. Entgegen der allgemeinen Annahme nämlich, dass es sich bei der Ausbeutung fossiler Energieträger um eine große technische Herausforderung handelt, besteht deren Förderung bis auf wenige Ausnahmen aus sehr einfacher Technik, angewendet allerdings in großem Maßstab. Das soll sich nun ändern. Hochmoderne Technik soll nun
  1. bereits benötigte Energie ersetzen, 
  2. exponentiell mehr Energie für weiteres exponentielles Wirtschaftswachstum bereitstellen, 
  3. zusätzliche Energie bereitstellen, die benötigt wird, um die Wirtschaft auf Strom umzustellen,
  4. zusätzliche Energie bereitstellen, um die Schäden am Ökosystem auszugleichen, die durch Bodenerosion, Klimawandel und Wassermangel hervorgerufen wird.
Die Situation ist paradox, da ein Technologiesprung nach dem anderen ausgerechnet zu einem Zeitpunkt erwartet wird, an dem kaum noch fundamental neue Erfindungen stattfinden. Die Verwirrung um erneuerbare Energieträger wird zudem noch gesteigert, da Politikern meistens nicht wissen, dass wir uns in einem exponentiellen Wachstumsprozess befinden, sie sprechen lieber von konstantem Wachstum. „Konstant“ suggeriert aber, dass man etwas Bestehendes einfach austauschen könnte, was aber ganz und garnicht der Fall ist.

Wie ist die Entwicklung nichtfossiler Energieträger in Deutschland? Deutschland steht mit seinen Bemühungen, Energie aus den Neuen zu erzeugen, weltweit mit an der Spitze. Mit allerlei Gesetzeskraft rudert die Bundesregierung in Richtung Zukunft. Was ist das Ergebnis bislang?

deutschland-erneuerbare-1995-2006
Nichtfossile Energieerzeugung in Deutschland seit 1995

Die Abbildung zeigt auf den ersten Blick eine einzigartige Erfolgsgeschichte, eine Revolution in der Menschheitsgeschichte. Die Energieerzeugung aus nichtfossilen Energieträgern hat sich in zehn Jahren verdreifacht. Schauen wir nochmals genauer hin. Von unten nach oben.
  • Wasserkraft macht etwa 10% der gesamten sauberen Energie aus. Dieser Wert bleibt auch konstant, da Wasser schon seit Jahrzehnten zur Elektrizitätserzeugung genutzt wird. 
  • Die Windkraft kann ein beeindruckendes Wachstum vorweisen! Fast einhundert Peta-Joule (das ist eine Eins mit 15 Nullen) wurden 2006 durch Windräder erzeugt, und das trotz der Einwände der Technologiefeinde, die diese monströsen Windmaschinen als häßlich empfinden und zudem landschaftsschädigend. 
  • Der Anteil der Solartechnik ist dieser kleine, beige Streifen, rechts, den man kaum sieht. Etwa sieben Peta-Joule Energie wurde 2006 damit erzeugt und auch diese Technologie weist beeindruckende Wachstumswerte aus. Um von einer echten Alternative zu sprechen, braucht es allerdings noch einiges Wachstum. 
  • Den weitaus größten Anteil machen biogene Stoffe aus, die man verbrennt. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um eine Hochtechnologie, sondern um den gleichen Prozess, den der Mensch schon vor 100'000 Jahren nutze, um extrasomatische Energie zu erzeugen, wie Ausgrabungen aus China belegen. 
  • Biodiesel ist auch stark am wachsen, es ist sogar der Energieträger, der am stärksten wächst. Biodiesel und Bioethanol ist allerdings keine Alternative. Das starke Wachstum dieser Energieträger ist eine vielmehr eine mittlere Katastrophe. 
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„Entschuldigung, aber ich brauche Dein Essen für mein Auto...“

  • Dann kommen noch Klärschlämme und deren Gase. Klärschlämme gibt es, seit es Industriegesellschaften gibt, die ihren Kot durchs WC spülen, statt die Felder damit zu düngen. Klärschlämme sind das beste Beispiel für nicht-fossile Energieträger, die es nur gibt, weil es fossile Energieträger gibt. Mit anderen Worten sind Klärschlämme lediglich Derivate fossiler Energieträger und da diese zur Zeit nicht mehr sonderlich wachsen, wachsen die Energiemengen aus Klärschlämmen auch nicht. 
  • Dann gibt es noch Sonstige, das sind Solarthermie, Geothermie und Wärmepumpen. Auch diese schaffen es zusammen kaum über 19 PJ und haben sich damit seit 1995 etwas mehr als verdoppelt.
Die 834 PJ im Jahr 2006, erzeugt von nicht-fossilen Energieträgern, machten 5,7% der 14'466,2 PJ Primärenergie aus im Gegensatz zu den 1,9% im Jahr 1995. Das ist ein Wachstum von grob vier Prozent alle zehn Jahre, bei gleichem Tempo und konstantem Energieverbrauch hätten wir also in 250 Jahren 100% unserer Energie aus den „Erneuerbaren“ erzeugt. Da die deutsche Industrie ihre Produktion zu einem Grosteil in die Dritte Welt verlagert hat, müsste der Energieverbrauch dort auch konstant bleiben. Bei genauerem Hinsehen ergeben sich zwangsläufig unlösbare Probleme, die allerdings geschickt nicht genannt werden. Stattdessen wird die öffentliche Wahrnehmung durch Aufklärungskampagnen gezielt vernebelt und irregeleitet.

Unterscheidet man zwischen dem was wächst und dem, was nicht wächst, reduziert sich das Arsenal der Hoffnungsträger im Wesentlichen auf Solarzellen, Windkraft, Biodiesel und ein bisschen Holz und Stroh (um ja nicht den Eindruck von Mittelalter aufkommen zu lassen, nennt man Holz in diesem Zusammenhang „Pellets“).

Das starke Wachstum von Biodiesel, seit der Ölpreis durch die Decke geht, ist hier die größte Katastrophe. Seit die USA, weltweit der größte Getreide-Exporteur, ein sechstel ihrer Ackerfläche zum Anbau von Energiepflanzen einsetzen, gab es schon Unruhen in Mexiko, dem größten Getreideabnehmer der USA. Weltweit steigen die Lebensmittelpreise dramatisch durch die Substitution Treibstoff statt Nahrung. Energie, die aus dieser Quelle gewonnen wird, ist mit Hungertoten in den ärmeren Ländern bezahlt. Jedes Auto, das mit Energie fährt, die einmal Nahrung war, ist mit Schuld an Hungernden in Afrika und Asien. Dass diese Form der Energie rasant wächst, ist kein Zeichen für ein neues Zeitalter, sondern Ausdruck eines gnadenlosen Egoismus. Das fossile Zeitalter ohne moralische Grenzen, wie sie alle Kulturvölker kannten, zeigt hier nochmal seine hässliche Fratze. Das Wachstum von Biodiesel ist der erste echte Krieg unserer Maschinen gegen die Menschheit. Der Kuchen geht langsam zur Neige und nun beginnt die Umverteilung, statt einfach nur die Verteilung. Biodiesel fällt des Weiteren auch dadurch als Revolutionskandidat aus, da es nur sehr begrenztes Wachstumspotential hat. Schneller vielleicht, als wir meinen, werden wir vor den ersten Hungerrevolten, auch hier in Europa, stehen, die diesem Irrsinn Grenzen setzen.

Bleiben noch Windkraft und Solarzellen als revolutionäre Garde, mit 117PJ im Jahr 2006 deckten sie immerhin 0,8% unseres Primärenergiebedarfs, wobei Windkraft alleine schon 0,76% ausmacht. Aber da gibt es noch ein paar Haken:

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Verlgeich des Wachstums alternativer Energieträger und Wirtschaftswachstum in Deutschland.

Die Abbildung zeigt das prozentuale Wachstum der Energie aus alternativen Energieträgern verglichen mit dem deutschen Wirtschaftswachstum. Haken wir kurz die Wasserkraft ab, die blieb im Beobachtungszeitraum konstant, haben wir ja schon geschrieben. Als nächstes die Windkraft in grün, die konnte vor 15 Jahren Wachstumraten von um die 200% pro Jahr verbuchen. Doch ein Trend abwärts führte seitdem dazu, dass heute kaum noch neue zusätzliche Energie aus Windkraft erzeugt wird. Das liegt daran, dass die interessanten Standorte auf dem Land schon nach 15 Jahren alle belegt sind. Das heißt, nach 15 Jahren schon kommt die Windkraftrevolution auf dem Land zum erliegen! Und wir dachten, das Spektakel solle erst im 21. Jahrhundert so richtig losgehen, dabei ist es schon vorbei... Die Hoffnungen unserer Politiker und Technologiefreunde liegen nun auf dem Meer, dort sollen riesige Windparks entstehen, die uns die Sorgen der Zukunft nehmen sollen. Bislang ist da aber noch nicht viel passiert, weil Salzwasser eben doch so eine technische Herausforderung ist, vor der selbst die mutigen Investoren passen.

Nun aber zur interessantesten Kurve, den Solarzellen. Die haben alles, was das Technologieherz höher schlagen lässt und sehen dabei mit ihrer Farbenpracht noch sexier aus als eine DVD von unten. Dummerweise kostet solch eine Hochtechnologie Geld und der Vergleich mit dem Wirtschaftswachstum zeigt - nicht perfekt, aber grob - eine gewisse Übereinstimmung beider Entwicklungen. Nun muss man sehen, dass die Solartechnik von der Regierung subventioniert wird. Eine genauere Übereinstimmung würde man sicherlich erhalten, wenn man die Anschaffung dem Markt überließe. Fassen wir mal zusammen: Bislang werden 0,048% unseres Primärenergiebedarfs aus Solartechnik gedeckt und das Wachstum scheint in etwa dem der Wirtschaft zu folgen. Damit die Wirtschaft wächst, braucht es aber beständig mehr Energie, ausser man lagert ins Ausland aus oder schließt die maroden Ostbetriebe. Ersteres kann man jedoch nur eine zeitlang machen (siehe USA, wo 90% der Bevölkerung in Bars oder Banken arbeitet), letzteres sogar nur einmal, dann ist der Bonus aufgebraucht.

Wenn wir jetzt aber mal das Ungeheuerliche aussprechen, und sagen was ist, nämlich dass Solarzellen quasi nichts zu unserem Energiebedarf beitragen, nach 15 jahren Kakophonie, was ist daran dann revolutionär? Wenn wir es in den letzten 15 Jahren, als das Erdöl noch billig war und die Wirtschaft brummte, gerade einmal auf 0,048% gebracht haben, mit staatlichen Förderprogrammen etc., wieviel Prozent können wir uns dann erhoffen, wenn es mit der Wirtschaft mal so richtig bergab geht? Zudem kann man sich fragen, ob die Solarzellen überhaupt schon die Energie erbracht haben, die für deren Bewerbung verbraucht wurde. Würde man diese Energie noch abziehen von den eher mickrigen 7PJ, käme man, da bin ich mir ziemlich sicher, auf ein negatives Ergebnis.

Da scheint nicht mehr viel übrig zu bleiben ausser heißer Politikerluft...

Bleibt noch das Argument, dass man ja weniger verbrauchen könnte, irgendwie Wirtschaftswachstum erzeugen ohne mehr Energie zu verbrauchen. Vielen Leuten, die soetwas vorschlagen, scheint es nicht bewusst zu sein, dass wir ein Jahrhundert der Optimierung und Effizienzsteigerung hinter uns haben. In vielen Bereichen der Wirtschaft, jenen insbesondere, die viel Energie verbrauchen, sind physikalische Grenzen schon seit Jahrzehnten erreicht, wie die folgende Abbildung am Beispiel Zementherstellung zeigt:

energiebedarf-zementherstellung
Energiebedarf für die Zementherstellung.

Alternative Energieträger lösen keines unserer Probleme, sie schaffen nur neue. Es ist der Versuch, eine Lebensweise weiterzuleben, die sich mit dem Erreichen der Fördermaxima fossiler Energietäger erledigt hat. Unser Problem liegt nicht in der Technik oder der Menge der Energie, die wir verbrauchen können. Unser Problem liegt einzig in unserer auf Obzolesenz getrimmten Gesellschaftsform. Ohne auch nur ein einziges Windrad können wir ein ebenso erfülltes Leben genießen und dabei auf diese häßlichen Propeller in der Landschaft verzichten. Die Logik, mit der solche vermeintlichen Lösungen vorgeschlagen werden, ist wesenhafter Bestandteil einer Denkweise, durch die unsere heutigen Probleme überhaupt erst geschaffen wurden. Es ist der fortgeführte Versuch, durch andauernde technische Erfindungen einen eingebildeten Entwicklungsprozess in Gange zu halten, den es nie gegeben hat.

Es ist leider diese Erkenntnis, die bei unseren Politikern nicht angekommen ist. „Nachhaltige Entwicklung“ heißt es jetzt. Die Probleme, die uns dieses Entwicklungsdenken gebracht hat, sollen uns nun durch noch mehr Entwicklungsdenken wieder genommen werden. Das ist einfach absurd! Das wird auch nicht funktionieren, das wird nur enttäuschte Arbeitslose schaffen, die dann wieder einen Sündenbock suchen. Je länger wir die Illusion kostenloser Energie und unendlicher Entwicklung aufrecht erhalten, desto tiefer wird der Fall.

Das Beschwören technischer Lösungen ist aber viel einfacher, als die Probleme anzugehen. Man kann sich mediengerecht vor futuristischen Biodieselautos, glitzernden Solarzellen und turmhohen Windkraftanlagen ablichten lassen, und immer wieder die Sonne als metaphernreiches Symbol heranziehen. Man kann Elite-Unis wählen, in denen für das Neue Zeitalter geforscht wird. Welcher Politiker oder Wirtschaftsführer würde diese Werbung eintauschen gegen arbeitsaufwendige philosophische Betrachtungsweisen über den Sinn von „Mehr“? Grübler braucht kein Land, Macher hingegen sind in der medialen Glitzerwelt gefragt, wo jeden Tag eine story her muss. Der Technikfix-Ansatz löst nicht die Probleme eines zutiefst destruktiven Gesellschaftsmodells, dass auf ständig Neues hofft, wodurch sämtliche Traditionen erodieren und ersetzt werden durch eine ständige Erwartungshaltung neuer Produkte aus den Fabriken. Alltägliche Gewalt- und Drogenexzesse, vor allem junger Menschen sind Folgen übermäßigen Energiekonsums und dem Austausch kultureller Werte gegen kalte Technik. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist es nicht einmal wünschenswert, weiterhin mehr Energie zu erzeugen sondern im Gegenteil die zur Verfügung stehende Energie zu drosseln.

Kommentare

Kommentar Icon energie

Jessi | 10.03.2011, 16:03

Ich brauche meer

Kommentar Icon Solarenergie im Überfluss

Energiemusketier | 11.09.2010, 22:25

Bei diesen Artikel von Kristall, EE-falsche Religion, gibt es noch enorme Informationsdeffiziter.Wir haben eine schier unendliche Energiequelle, die Sonne für die nächsten milliarden Jahre zur Verfügung. Schon heute ist es möglich den gesamte Energiebedarf der Menschheit mit den verschiedensten Photovoltaik tehniken mehrfach ab zu decken. Die Energierücklauf Zeiten bei PV betragen bis zun 3 Jahren, ihre Nutzung mehrere Jahrzehnte. 4% der Fäche Österreichs mit Solarzellen bedeckt reichen aus um den GESAMTEN Energiebedarf Österreichs zu decken.
Das sind im wesentlichen unsere Dächer und Fassaden von Häusern, Gebäuden, Lärmschutzwände,...Der Ertrag/ha. Jahr liegt derzeit bei 1Mllion KWh, mit der Solarthermie sogar bei über 6 Millionen KWh. Windernergie erzeugt 8 Miilionen KWh /Hektar und Jahr, Biomasse (zB. Pflanzenöl nur 10.000 KWh)
Biomasse sollte vorrangig zur regionalen Nahrungsmittelversorgung heran gezogen werden, und um ca. 40% der Erdöles ersetzen, dass derzeit zur stofflichen Nutzung verwendet wird.
Natürlich lässt sich aus meiner Sicht der heutige Lebensstandard nicht länger fortführen, da bei allen anderen Rohstoffen ebenfalls das Verbrauchsmaximum in absehbarer Zeit überschritten sein wird.
Eine wesentliche Effizienzsteigerung sowie nachhaltige Wirtschaftskreisläufe, werg vom zerstörenden Turbokapitalismus und ewigen Wachstum kann uns trozt dem ein lebenswertes Leben mit ganz anderen Werten wie wir sie heute haben, ermöglichen.

Kommentar Icon Meine Rede

Simmmon | 11.11.2008, 12:11

Schön geschrieben, Kristall. In den meisten Punkten simme ich mit dir überein, hab im Forum auch schon Ähnliches geschrieben.

Leider gehst du dem wichtigsten Punkt nicht weiter nach: Der Knackpunkt ist doch, ob der EROEI für die Solartechnik jetzt positiv ist oder nicht ("Zudem kann man sich fragen, ob die Solarzellen überhaupt schon die Energie erbracht haben, die für deren Bewerbung verbraucht wurde. Würde man diese Energie noch abziehen von den eher mickrigen 7PJ, käme man, da bin ich mir ziemlich sicher, auf ein negatives Ergebnis") und aus welcher Art von Energie sich der EOREI zusammensetzt (wenn Silizium zB von weit her mit dem Schiff gebracht werden muss, bringt uns ein auf elektrischer Energie basierender EROEI auch nix - Anmerkung zu futuremans Energieamorisation).Du gehst dem nicht nach, weil du die Methode erneuerbare Energien ablehnst, um den Lebensstandard zu erhalten. Vielleicht geht es aber gar nicht darum, sondern man versucht eine Art Grundenergieversorgungsstruktur für später (wie auch beim Biodiesel)zu erschaffen.

Auch muss man einen Unterschied machen zwischen Energiebedarf und Bedarf an elektrischer Energie, da in ersterem jede Menge Benzin und Diesel drinsteckt, auf das man, seien wir doch mal ehrlich, ohne einen zivilisatorischen Einbruch
verzichten könnte.

Wurde Zeit, dass jemand noch mal so ausführlich darüber schreibt.

Kommentar Icon

Rolf | 26.05.2008, 10:37

ein wirklich sehr guter Artikel. RESEPEKT an KRISTALL von mir - einem treuen Leser von PO Forum. Habe diesen schon mehrerer male durchgelsen und weitergeleite. Viel Erkenntis und Wahrheit steckt darin. RESPEKT.

Gruß Kleee

Kommentar Icon Erdöl als Basisstoff für 500 000 Artikel

D. Gebbert | 22.05.2008, 16:15

Alle sog. "Experten" betrachten das Erdöl nur als Energielieferant,dabei wird vergessen, daß 500 000 Artikel in ihrer Herstellung vom Erdöl abhängen!!! Alle diese Artikel wird es dann nicht mehr geben, z. B. alle Kunststoffe,Kleidung,Farben Lacke usw.!Das sollte Grund genug sein darüber nachzudenken!

Kommentar Icon Die Lösung heisst Effizienz!

Tachy | 09.05.2008, 22:35

Schon klar, dass es auch das Energiesparen ist, das die Lösung bringen soll.

Das wichtigste scheint mir jedoch die Effizienz der Energieerzeugung bis zum Verbrauch. Dass wir weg müssen von fossilen Brennstoffen, ist klar. Warum denn nicht Photovoltaik? Warum nicht Zellen, die nur noch einem Monat ihre Herstellungsenergie wieder erzeugt haben (http://www.nanosolar.de)

Kommentar Icon Leider wahr...

Kein Technikfeind | 29.04.2008, 19:38

...der ganze Text spricht mir aus der Seele und hat eigentlich mein diffuses Bauchgefühl in Worte gekleidet.
Danke.

Kommentar Icon Schwarzmalerei

futureman | 23.04.2008, 16:33

Ein kurzes Beispiel zeigt, wieviel Potenzial in der Windkraft liegt: Die Energie, die zur Herstellung einer Windkraftanlage(WKA) notwendig ist, erzeugt diese an einem Landstandort in ca. 9 Monaten. D.H. ab dann kann sie alle 9 Monate "energieneutral" eine neue WKA "erbauen". Die dann neuen WKA könnten gleiches nach 9 Monaten wieder usw.usw. Da sind schon erhebliche Steigerungsraten möglich. Natürlich nur, wenn man sie auch zulässt und nicht mit dem Hinweis "die sind häßlich" behindert. Bei Solarzellen (Dünnschicht) ist die Energieamorisation ganz änlich. Das Hauptärgernis an der Technik ist nur, dass es jeder!!! machen kann. Im kleinen und mittelgroßen und so den etablierten Spielern nach und nach den Markt wegnimmt.

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