Erneuerbare
Energien
Neues Zeitalter
Solare Revolution
Neue
Technologien
die Menschheit bricht auf...
Solche
Parolen regieren die Pressekonferenzen und Zeitungen, seit der Ölpreis
eine Jahrhunderthürde
nach der anderen nimmt. Mit religiösem Eifer werden neue
Technologien angepriesen, die uns „aus der Energiekrise“ führen sollen.
Dabei muss alles sehr schnell gehen, das Thema gewinnt mehr und mehr
Aufmerksamkeit und rückt in den Fokus einer immer breiteren
Gesellschaftsschicht. Die Lösungsvorschläge, die fast ausschließlich auf dem
Einsatz immer neuer Technik beruhen, verschärfen eine
schwierige
Situation jedoch nur noch weiter.
Wer
wissen will, wie die Zukunft aussieht, der kann bei
Chevrons
„will-you-join-us“-Initiative Energyville spielen und sich die Städte
der Zukunft anschauen. Gläserne Paläste schießen in
den Himmel, modernste Automobile surren durch die Straßen, das alles
untermalt von Vogelgezwitscher. Betrieben wird diese Fantasie natürlich
von Wasser,
Wind und, klar, der Sonne via Hochtechnologie. Ohne schmutzige Kohle,
Öl und Erdgas soll eine neue
Welt entstehen, in der modernste Technik mit idyllischer Natur
Seite an Seite zusammenlebt. Solche Utopien sah ich schon als Kind, bei
Cap'tain Future. Dort kämpfte sich der Held eben noch durch
einen unwegsamen Dschungel und stand plötzlich vor futuristischen
Stahlpalästen. Drinnen empfingen ihn dann modernste Rechnerwelten.
Dies sind aber Geschichten für Kinder. Solche Utopien sind nichts, auf
das man vertrauen sollte, wenn man ein ernstes Problem hat, oder
glaubt, eines zu haben.
Die
industrielle Gesellschaft plagt zur Zeit mehr und mehr ein
Energiemangel, der von der Endlichkeit fossiler Energieträger herrührt.
Gemäß geologischen Naturgesetzen folgt die Ausbeutung nichterneuerbarer
Bodenschätze einer Glockenkurve, die ihr Maximum erreicht, wenn etwa
die Hälfte der vorhandenen Reserven gefördert wurde. Der Mensch fing
etwa mit der Einführung der Dampfmaschine im Jahr 1712 an, in großem
Maßstab fossile Energie zu nutzen. Seitdem macht jede Generation erneut
die Erfahrung, dass man einfach mehr Kohle, Öl und Erdgas fördern muss,
um eine beständig wachsende Wirtschaft zu befeuern.
Zu
Beginn war es ganz einfach, beständig hohes Wachstum zu erzeugen: Der
Lebensstandard, gemessen am Energieverbrauch, war gering und neue
Energieträger wurden reichlich entdeckt. In der fatalen Annahme, dass
sich diese Entwicklung unendlich fortsetzen ließe, wurden in den so
entstandenen Industriegesellschaften sämtliche kulturellen Grenzen als
überkommen abgeschafft. Während die Priester früherer Zeiten Enthaltung
predigten, predigen moderne Wirtschaftsweisen Wachstum. Den Gürtel
enger schnallen bedeutet in heutigen Tagen nicht mehr, kulturellen
Regeln zu genügen, sondern wird als das Ergebnis fehlerhafter Politik
interpretiert. Alles soll möglich sein, wenn man nur will. Der
Einfluss fossiler Energieträger auf unsere gesellschaftlichen
Errungenscahften wird allerdings ebenso maßlos unterschätzt, wie der
Einfluss unseres menschlichen Erfindugsgeistes überschätzt wird. Dieser
Glaube hat dazu geführt, dass der moderne Mensch für jedes Problem eine
technische Lösung sucht - für die er dann weitere Forschungsgelder
erntet.
Mit dem Erdölfördermaximum erreicht nun der
wichtigste
Energieträger den Gipfel seiner Glockenkurve und prompt reagieren die
Eliten reflexartig, indem sie Lösungen dort suchen, wo keine
sind.
Mit Hochdruck sollen nun neue Techniken die Rolle übernehmen, die die
letzten 250 Jahre fossile Energieträger inne hatten. Wer einmal an
Universitäten forscht, wird vermutlich ernüchtert feststellen, dass
viel von den vermeintlich gemachten Fortschritten aus Werbung besteht,
um an weitere Forschungsgelder zu gelangen. Unsere technischen
Universitäten sind längst nicht mehr von Philosophen bevölkert, sondern
von Verkäufern und Marketing-Experten. Der Förderrückgang fossiler
Energieträger stellt den Menschen vor die Herausforderung, sich selbst
einzustehen, dass er nicht allmächtig ist und sich auch nicht am
eigenen Schopf aus dem Schlamassel ziehen kann, wie der Baron von
Münchhausen. Dieses Eingeständnis ist jedoch äußerst unpopulär,
Geistliche Kirchenoberhäupter und Intellektuelle, die Genügsamkeit und
Grenzen fordern, gelten als reaktionär, rückwärtsgewandt und
technikfeindlich.
Hinter dieser vermeintlich
einfachen Lösung,
fossile Energieträger durch erneuerbare Energieträger auszutauschen,
steckt jedoch ein Paradox, dass den Entscheidungsträgern in Politik und
Wirtschaft entweder nicht bewusst ist, oder das bewusst verschwiegen
wird. Entgegen der allgemeinen Annahme nämlich, dass es sich bei der
Ausbeutung fossiler Energieträger um eine große technische
Herausforderung handelt, besteht deren Förderung bis auf wenige
Ausnahmen aus sehr einfacher Technik, angewendet allerdings in großem
Maßstab. Das soll sich nun ändern. Hochmoderne Technik soll nun
- bereits
benötigte Energie ersetzen,
- exponentiell
mehr Energie für weiteres exponentielles Wirtschaftswachstum
bereitstellen,
- zusätzliche Energie
bereitstellen, die benötigt wird, um die Wirtschaft auf Strom
umzustellen,
- zusätzliche
Energie bereitstellen, um die Schäden am Ökosystem auszugleichen, die
durch Bodenerosion, Klimawandel und Wassermangel hervorgerufen wird.
Die
Situation ist paradox, da ein Technologiesprung nach dem anderen
ausgerechnet zu einem Zeitpunkt erwartet wird, an dem kaum noch
fundamental neue Erfindungen stattfinden. Die Verwirrung um
erneuerbare Energieträger wird zudem noch gesteigert, da Politikern
meistens nicht wissen, dass wir uns in einem exponentiellen
Wachstumsprozess befinden, sie sprechen
lieber von konstantem Wachstum. „Konstant“ suggeriert aber, dass man
etwas Bestehendes einfach austauschen könnte, was aber ganz und
garnicht der Fall ist.
Wie ist die Entwicklung
nichtfossiler Energieträger in Deutschland? Deutschland steht mit
seinen
Bemühungen, Energie aus den
Neuen
zu erzeugen, weltweit mit an der Spitze. Mit allerlei Gesetzeskraft
rudert die Bundesregierung in Richtung Zukunft. Was ist das Ergebnis
bislang?
 |
| Nichtfossile
Energieerzeugung in Deutschland seit 1995 |
Die
Abbildung zeigt auf den ersten Blick eine einzigartige
Erfolgsgeschichte, eine Revolution in der Menschheitsgeschichte. Die
Energieerzeugung aus
nichtfossilen Energieträgern hat sich in zehn Jahren verdreifacht.
Schauen wir
nochmals genauer hin. Von unten nach oben.
- Wasserkraft
macht etwa 10% der gesamten sauberen Energie aus. Dieser Wert bleibt
auch konstant, da Wasser schon seit
Jahrzehnten zur Elektrizitätserzeugung genutzt wird.
- Die
Windkraft kann ein beeindruckendes Wachstum vorweisen! Fast
einhundert Peta-Joule (das ist eine Eins mit 15 Nullen) wurden 2006
durch Windräder erzeugt, und das trotz der Einwände der
Technologiefeinde, die diese monströsen Windmaschinen als häßlich
empfinden und zudem landschaftsschädigend.
- Der
Anteil der
Solartechnik ist
dieser kleine, beige Streifen, rechts, den man kaum sieht. Etwa sieben
Peta-Joule Energie wurde 2006 damit erzeugt und auch diese Technologie
weist beeindruckende Wachstumswerte aus. Um von einer echten
Alternative zu sprechen, braucht es allerdings noch einiges
Wachstum.
- Den
weitaus
größten Anteil machen biogene Stoffe aus, die man verbrennt. Hierbei
handelt es sich allerdings nicht um eine Hochtechnologie, sondern um
den gleichen Prozess, den der Mensch schon vor 100'000 Jahren nutze, um
extrasomatische Energie zu erzeugen, wie Ausgrabungen aus China
belegen.
- Biodiesel ist auch stark am
wachsen, es ist sogar der Energieträger, der am stärksten
wächst. Biodiesel
und Bioethanol ist allerdings keine Alternative. Das starke Wachstum
dieser Energieträger ist eine vielmehr eine mittlere
Katastrophe.
 |
| „Entschuldigung,
aber ich brauche Dein Essen für mein Auto...“ |
- Dann
kommen noch
Klärschlämme und deren Gase. Klärschlämme gibt es, seit es
Industriegesellschaften gibt, die ihren Kot durchs WC spülen, statt die
Felder damit zu düngen. Klärschlämme sind das beste Beispiel für
nicht-fossile Energieträger, die es nur gibt, weil es fossile
Energieträger gibt. Mit anderen Worten sind Klärschlämme lediglich
Derivate fossiler Energieträger und da diese zur Zeit nicht mehr
sonderlich wachsen, wachsen die Energiemengen aus Klärschlämmen auch
nicht.
- Dann
gibt es noch Sonstige, das sind Solarthermie, Geothermie
und Wärmepumpen. Auch diese schaffen es zusammen kaum über 19 PJ und
haben sich damit seit 1995 etwas mehr als verdoppelt.
Die
834 PJ im Jahr 2006, erzeugt von nicht-fossilen Energieträgern, machten
5,7% der
14'466,2 PJ Primärenergie aus im Gegensatz zu den 1,9% im Jahr 1995.
Das ist ein Wachstum von grob vier Prozent alle zehn Jahre, bei
gleichem Tempo und konstantem Energieverbrauch hätten
wir also in 250 Jahren 100% unserer Energie aus den „Erneuerbaren“
erzeugt. Da die deutsche Industrie ihre Produktion zu einem Grosteil in
die Dritte Welt verlagert hat, müsste der Energieverbrauch dort auch
konstant bleiben. Bei genauerem Hinsehen ergeben sich zwangsläufig
unlösbare Probleme, die allerdings geschickt nicht genannt werden.
Stattdessen wird die öffentliche Wahrnehmung durch
Aufklärungskampagnen gezielt vernebelt und irregeleitet.
Unterscheidet
man zwischen dem was wächst und dem, was nicht
wächst, reduziert sich das Arsenal der Hoffnungsträger im Wesentlichen
auf Solarzellen, Windkraft, Biodiesel und ein bisschen Holz und Stroh
(um ja nicht den Eindruck von Mittelalter aufkommen zu lassen,
nennt man Holz in diesem Zusammenhang „Pellets“).
Das
starke Wachstum von Biodiesel, seit der Ölpreis durch die Decke geht,
ist hier die größte Katastrophe. Seit die USA, weltweit
der größte Getreide-Exporteur, ein sechstel ihrer Ackerfläche zum Anbau
von Energiepflanzen einsetzen, gab es schon Unruhen in Mexiko, dem
größten Getreideabnehmer der USA. Weltweit steigen die
Lebensmittelpreise dramatisch durch die
Substitution Treibstoff statt Nahrung. Energie, die aus dieser Quelle
gewonnen wird, ist mit Hungertoten in den ärmeren Ländern bezahlt.
Jedes Auto, das mit Energie fährt, die einmal Nahrung war, ist mit
Schuld an Hungernden in Afrika und Asien. Dass diese Form der Energie
rasant wächst, ist kein
Zeichen für ein neues Zeitalter, sondern Ausdruck eines gnadenlosen
Egoismus. Das fossile Zeitalter ohne moralische Grenzen, wie
sie
alle
Kulturvölker kannten, zeigt hier nochmal seine hässliche Fratze. Das
Wachstum von Biodiesel ist der erste echte Krieg unserer Maschinen
gegen die Menschheit. Der Kuchen geht
langsam zur Neige und nun beginnt die Umverteilung, statt einfach nur
die Verteilung. Biodiesel fällt des Weiteren auch dadurch als
Revolutionskandidat aus, da es nur sehr begrenztes Wachstumspotential
hat. Schneller vielleicht, als wir meinen, werden wir vor den ersten
Hungerrevolten, auch hier in Europa, stehen, die diesem Irrsinn Grenzen
setzen.
Bleiben noch Windkraft und
Solarzellen als revolutionäre Garde, mit 117PJ im Jahr 2006 deckten sie
immerhin 0,8% unseres Primärenergiebedarfs, wobei Windkraft alleine
schon 0,76% ausmacht. Aber da gibt es noch ein paar Haken:
 |
| Verlgeich
des Wachstums alternativer Energieträger und Wirtschaftswachstum in
Deutschland. |
Die
Abbildung zeigt das prozentuale Wachstum der Energie aus alternativen
Energieträgern verglichen mit dem deutschen Wirtschaftswachstum. Haken
wir kurz die Wasserkraft ab, die blieb im Beobachtungszeitraum
konstant, haben wir ja schon geschrieben. Als nächstes die Windkraft in
grün, die konnte vor 15 Jahren Wachstumraten von um die 200% pro Jahr
verbuchen. Doch ein Trend abwärts führte seitdem dazu, dass heute kaum
noch neue zusätzliche Energie aus Windkraft erzeugt wird. Das liegt
daran, dass die interessanten Standorte auf dem Land schon nach 15
Jahren alle belegt sind. Das heißt, nach 15 Jahren schon kommt die
Windkraftrevolution auf dem Land zum erliegen! Und wir dachten, das
Spektakel solle erst im 21. Jahrhundert so richtig losgehen, dabei ist
es schon vorbei... Die Hoffnungen unserer Politiker und
Technologiefreunde liegen nun auf dem Meer, dort sollen riesige
Windparks entstehen, die uns die Sorgen der Zukunft nehmen sollen.
Bislang ist da aber noch nicht viel passiert, weil Salzwasser eben doch
so eine technische Herausforderung ist, vor der selbst die mutigen
Investoren passen.
Nun aber zur interessantesten
Kurve, den Solarzellen. Die haben alles, was das Technologieherz höher
schlagen lässt und sehen dabei mit ihrer Farbenpracht noch sexier aus
als eine DVD von unten. Dummerweise kostet solch eine Hochtechnologie
Geld und der Vergleich mit dem Wirtschaftswachstum zeigt - nicht
perfekt, aber grob - eine gewisse Übereinstimmung beider
Entwicklungen. Nun muss man sehen, dass die Solartechnik von der
Regierung subventioniert wird. Eine genauere Übereinstimmung würde man
sicherlich erhalten, wenn man die Anschaffung dem Markt überließe.
Fassen wir mal zusammen: Bislang werden 0,048% unseres
Primärenergiebedarfs aus Solartechnik gedeckt und das Wachstum scheint
in etwa dem der Wirtschaft zu folgen. Damit die Wirtschaft wächst,
braucht es aber beständig mehr Energie, ausser man lagert ins Ausland
aus oder schließt die maroden Ostbetriebe. Ersteres kann man jedoch nur
eine zeitlang machen (siehe USA, wo 90% der Bevölkerung in Bars oder
Banken arbeitet), letzteres sogar nur einmal, dann ist der Bonus
aufgebraucht.
Wenn wir jetzt aber mal das
Ungeheuerliche aussprechen, und sagen was ist, nämlich dass Solarzellen
quasi
nichts zu unserem Energiebedarf beitragen, nach 15 jahren Kakophonie,
was ist daran dann revolutionär? Wenn wir es in den letzten 15 Jahren,
als das Erdöl noch billig war und die Wirtschaft brummte, gerade einmal
auf 0,048% gebracht haben,
mit staatlichen Förderprogrammen etc., wieviel Prozent können wir uns
dann erhoffen, wenn es mit der Wirtschaft mal so richtig bergab geht?
Zudem kann man sich fragen, ob die Solarzellen überhaupt schon die
Energie erbracht haben, die für deren Bewerbung verbraucht wurde.
Würde man diese Energie noch abziehen von den eher mickrigen 7PJ, käme
man,
da bin ich mir ziemlich sicher, auf ein negatives Ergebnis.
Da
scheint nicht mehr viel übrig zu bleiben ausser heißer Politikerluft...
Bleibt
noch das Argument, dass man ja weniger verbrauchen könnte, irgendwie
Wirtschaftswachstum erzeugen ohne mehr Energie zu verbrauchen. Vielen
Leuten, die soetwas vorschlagen, scheint es nicht bewusst zu sein, dass
wir ein Jahrhundert der Optimierung und Effizienzsteigerung hinter uns
haben. In vielen Bereichen der Wirtschaft, jenen insbesondere, die viel
Energie
verbrauchen, sind physikalische Grenzen schon seit Jahrzehnten
erreicht, wie die folgende Abbildung am Beispiel Zementherstellung
zeigt:
 |
| Energiebedarf
für die Zementherstellung. |
Alternative
Energieträger lösen keines unserer Probleme, sie schaffen nur neue. Es
ist der Versuch, eine Lebensweise weiterzuleben, die sich mit dem
Erreichen der Fördermaxima fossiler Energietäger erledigt hat. Unser
Problem liegt
nicht
in der Technik oder der Menge der Energie, die wir verbrauchen können.
Unser Problem liegt einzig in unserer auf Obzolesenz getrimmten
Gesellschaftsform. Ohne auch
nur ein einziges Windrad können wir ein ebenso erfülltes Leben genießen
und dabei auf diese häßlichen Propeller in der Landschaft verzichten.
Die
Logik, mit der solche vermeintlichen Lösungen vorgeschlagen werden, ist
wesenhafter Bestandteil einer Denkweise, durch die unsere heutigen
Probleme überhaupt erst geschaffen wurden. Es ist der fortgeführte
Versuch, durch andauernde technische Erfindungen einen eingebildeten
Entwicklungsprozess in Gange zu halten, den es nie gegeben hat.
Es
ist leider diese
Erkenntnis, die bei unseren Politikern
nicht angekommen ist. „Nachhaltige Entwicklung“ heißt es
jetzt. Die Probleme, die uns dieses Entwicklungsdenken
gebracht
hat, sollen uns nun durch noch mehr Entwicklungsdenken wieder genommen
werden. Das ist einfach absurd! Das wird auch nicht funktionieren, das
wird nur enttäuschte Arbeitslose schaffen, die dann wieder einen
Sündenbock suchen. Je länger wir die Illusion kostenloser Energie und
unendlicher Entwicklung aufrecht erhalten, desto tiefer wird der Fall.
Das
Beschwören technischer Lösungen ist aber viel einfacher, als die
Probleme anzugehen. Man kann sich mediengerecht vor futuristischen
Biodieselautos, glitzernden Solarzellen und turmhohen Windkraftanlagen
ablichten lassen, und immer wieder die Sonne als metaphernreiches
Symbol heranziehen. Man kann Elite-Unis wählen, in denen für das Neue
Zeitalter geforscht wird. Welcher Politiker oder Wirtschaftsführer
würde diese Werbung eintauschen gegen arbeitsaufwendige philosophische
Betrachtungsweisen über den Sinn von „Mehr“? Grübler braucht kein Land,
Macher hingegen sind in der medialen Glitzerwelt gefragt, wo jeden Tag
eine
story
her muss. Der Technikfix-Ansatz löst nicht die Probleme eines zutiefst
destruktiven Gesellschaftsmodells, dass auf ständig Neues hofft,
wodurch
sämtliche Traditionen erodieren und ersetzt werden durch eine ständige
Erwartungshaltung neuer Produkte aus den Fabriken. Alltägliche
Gewalt- und Drogenexzesse, vor allem junger Menschen sind Folgen
übermäßigen Energiekonsums und dem Austausch kultureller Werte
gegen
kalte
Technik. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist es
nicht einmal wünschenswert, weiterhin mehr Energie zu erzeugen sondern
im Gegenteil die zur Verfügung stehende Energie zu drosseln.
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